Mitten in der Revolution

Die vernetzte Industrie stößt weltweit auf Interesse.  Was auf die Betriebe zukommt, ist unklar. Eine Initiative soll Rahmenbedingungen setzen.

RALF E. KRÜGER, DPA |

Die Revolutionäre von heute kommen im eleganten Manager-Outfit daher. „Weitgehend unbestritten ist, dass wir mitten drin sind in der industriellen Revolution“, bringt es Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf den Punkt. Er gibt zwar zu, dass er sich Revolutionäre stets anders vorgestellt hat, dass diese hier aber sehr erfolgreich seien. Die Manager steuern den industriellen Wandel.

 Intelligente Vernetzung soll die Produktion in der Industrie revolutionieren. Bei diesem Umbruch hat weltweit die Suche nach Rahmenbedingungen und Standards längst eingesetzt. Deutschland als Exportnation will bei der vernetzten Fertigung in Fabriken die Nase vorne haben. Die von der Bundesregierung 2015 angestoßene Entwicklungs-Plattform Industrie 4.0 hat sich als Netzwerk mit wichtigen Vertretern aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik längst an die Auslotung der Herausforderungen gemacht.

 „Wir haben die wichtigen Fragen jetzt sehr gut definiert und werden uns an die Arbeit machen“, sagt Siemens-Vorstandsmitglied Siegfried Russwurm. Neben dem Thema Standards geht es dabei nicht zuletzt um Fragen der Arbeitswelt oder des Datenschutzes, aber auch der technischen und rechtlichen Voraussetzungen.

Gabriel ebenso wie Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) ziehen ein erstes positives Fazit. Vor allem im internationalen Bereich habe das Netzwerk großes Interesse ausgelöst, sagt Wanka. Sowohl die USA wie auch Japaner und Franzosen suchten dabei den Schulterschluss mit den Deutschen. „China muss noch viel tun in dem Bereich, will es aber“, glaubt Wanka. Kooperationen blieben angesichts der globalen Herausforderungen durch die Industrie 4.0 ein Top-Thema.

 Als eines der größten Probleme gilt neben der Sicherheit bei der IT-Anwendung die weiterhin ungenügende Internet-Geschwindigkeit. Einen zügigen, flächendeckenden Breitbandausbau – vor allem in den ländlichen Gebieten -– fordert Gabriel. Deutschland müsse dabei weltweit höchste Standards setzen, wenn es seinen wirtschaftlichen Führungsanspruch nicht verwirken wolle: „Das Ziel muss sein, dass mindestens unser Land – besser noch ganz Europa – im Jahr 2025 die modernste digitale Infrastruktur der Welt vorhält.“

 Neben der Mikroelektronik als Basis für die Industriewelt von morgen und der dringend notwendigen Weiterbildung der Fachkräfte stehen beim Wandel die klein- und mittelständischen Betriebe im Fokus. Sie galten lange als Sorgenkind, weil die Umsetzung bei ihnen stockte. „Es gibt noch viel zu tun, um den Mittelstand mitzunehmen“, meint der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer. Doch Eberhard Veit, der frühere Vorstandschef der Festo AG, widerspricht: Er sieht eine Art Aufbruch des Mittelstands. „Ich habe das Gefühl, die haben abgewartet, und jetzt geht es los.“ Allerdings hängten die kleinen Betriebe ihren eigenen Umbruch nicht an die große Glocke.

 Im Kern geht es um die Frage: Wie gelangt die neue Technik überhaupt in die Betriebe? Das Neue erlebbar zu machen für die Unternehmer und Manager ist daher das Ziel der Plattform Industrie 4.0. Zuletzt war das eindrucksvoll auf der Hannover Messer zu besichtigen.  Sie sieht ihre Position als Jahrmarkt der Industrie von morgen durch das starke Partnerland USA gefestigt.

Als Partnerland der Messe für das Jahr 2017 wurde Polen auserwählt. Die Veranstalter erhoffen sich davon auch Impulse für den deutsch-polnischen Handel.

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